Selbstschuldnerische Bürgschaft

Unter einer Bürgschaft versteht man gemäß den Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuches einen Vertrag zwischen dem Bürger und dem Gläubiger eines Dritten, durch welchen der Bürge sich verpflichtet, für das Begleichen der Schuld der dritten Person einzustehen. Rechtsgrundlage für den Bürgschaftsvertrag ist § 765 BGB.

Es gibt verschiedene Bürgschaftsarten. Bei einer normalen Bürgschaft hat der Bürge das Recht, die Einrede der Vorausklage nach § 771 BGB zu verlangen. Für den Gläubiger bedeutet dies, dass er erst versuchen muss, gegen den Hauptschuldner zu vollstrecken, bevor er den Bürgen in Anspruch nehmen kann. Im Gegenzug dazu ist die selbstschuldnerische Bürgschaft ist eine besondere Art des Bürgschaftsvertrages. Die Besonderheit bei der selbstschuldnerischen Bürgschaft ist, dass die Einrede der Vorausklage gemäß § 773 BGB von vorneherein ausgeschlossen wird, da sich der Bürge als sogenannter Selbstschuldner, also als eigener Schuldner, haftet. Das bedeutet, dass der Gläubiger nicht erst gegen den Hauptschuldner vollstrecken muss, um seine Forderung zu erhalten, sondern sich direkt an den Bürgen wenden und die Begleichung der Forderung von diesem unmittelbar verlangen kann. Ab dem Moment, wo die offene Verbindlichkeit durch den Bürgen beglichen wurde, erwirbt dieser wiederum einen Rechtsanspruch gegen den Hauptschuldner auf Ausgleich der verauslagten Forderung.

Für den Gläubiger ist die selbstschuldnerische Bürgschaft vorteilhafter. Er spart sich einen möglicherweise erfolglosen und zeitintensiven Vollstreckungsversuch gegen den Hauptschuldner. Der Bürge hat bei der selbstschuldnerischen Bürgschaft ein höheres Risiko, in Haftung treten zu müssen, da sich der Gläubiger unmittelbar an ihn wenden kann. Der Vertrag der selbstschuldnerischen Bürgschaft ist genau wie der normale Bürgschaftsvertrag zur Rechtswirksamkeit in schriftlicher Form niederzulegen.